Zum Inhalt springen

Neujahrsgruß

des Erzbischofs von Bamberg und
Grußworte des Kardinals Peter Turkson

Januar 2021

Neujahr
Porträt des Erzbischofs Schick

Verehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

ein glückseliges neues Jahr wünsche ich von ganzem Herzen, Ihnen, Ihren Familien und Angehörigen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den verschiedenen Behörden und Institutionen, Werkstätten und Betrieben. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie lautet mein „Dauerwunsch“: ,,Bleiben Sie gesund und hoffnungsvoll!“. Heute gilt er Ihnen! Ich erbitte Ihnen Gesundheit und dass Sie frei von Covid-19 bleiben, Vertrauen und Mut haben, um die Aufgaben und Herausforderungen des neuen Jahres, das wie das vergangene von der Corona-Pandemie gezeichnet sein wird, anzugehen. Wir werden es schaffen und auch das Corona-Virus überwinden, wenn wir in guter Gemeinschaft leben, solidarisch handeln, in Achtsamkeit füreinander
einstehen, uns mit Gemeinsinn für das Gemeinwohl einsetzen.

Am 16. Januar 2021 wären wir zum traditionellen „Neujahrsempfang des Erzbischofs von Bamberg“ in Hof zusammengekommen. Wegen der Corona-Pandemie mussten wir dieses Zusammentreffen mit den Vertreterinnen und Vertretern des öffentlichen Lebens aus Politik und Wirtschaft, Justiz, Verwaltung und Polizei, Bildung und Medizin, Industrie und Handel, Vertreterinnen und Vertretern der Ökumene und der anderen Religionen sowie den Frauen und Männern aus unserem Erzbistum absagen. Thema wäre gewesen: „Caritas – In der Liebe verbunden“.

Im Jahr 1921 wurde der Caritasverband für das Erzbistum Bamberg gegründet. 2021 können wir sein hundertjähriges Bestehen begehen. Der diesjährige Neujahrsempfang sollte der Auftakt zum Jubiläum mit dem Leitmotiv „Hinsehen. Handeln. Herzlichkeit“ sein. Caritas ist aber mehr als die Caritasverbände; sie ist die dritte Aufgabe der Kirche. Verkündigung, Gottesdienst und Caritas bilden die drei Grundfunktionen, wobei jede die andere ergänzt und keine ohne die andere sein kann. Caritas zielt darauf ab, eine solidarische Gemeinschaft im Geist Jesu Christi zu bilden, in der die Nächstenliebe das Lebensprinzip ist. In dieser Gemeinschaft sollen alle ein gutes Leben finden, Jung und Alt, Arm und Reich, Kranke und Gesunde, die Menschen
mit Behinderung ebenso wie die, die sich all ihrer Lebenskräfte erfreuen.

[...]

Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr 2021 die Pandemie nach und nach überwinden und dass dann auch das Heinrichsfest und andere Veranstaltungen dieses Motto aufgreifen und explizieren können. Mein Wunsch ist es, dass im Jahr 2021 die dritte Dimension der Kirche, die Caritas – Gemeinschaft der Liebe – vertieft wird und der Grundwasserspiegel des Geistes Jesu, der uns als Hauptgebot die Gottes- und die Nächstenliebe aufgetragen hat, hoch bleibt und noch höher steigt, damit wir – in der Liebe verbunden – die Zukunft unserer Gesellschaft und der ganzen Welt segensreich mitgestalten können.

Mit dem Dank für die gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit und der Bitte, diese auch in der Zukunft zum Wohl aller fortzusetzen, grüßt Sie herzlich
Ihr

Dr. Ludwig Schick

Auszug Grußworte Erzbischof:

Liebe Brüder und Schwestern in der Erzdiözese Bamberg, 

[...]

Fortschritte machen auf dem Weg zu wirklich entwickelten Gesellschaften: Als Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen möchte ich gern Ihren Blick auf solche Fortschritte im Bereich der globalen Caritas und auf eine solche Entwicklung hin zu einer globalen Kultur der Liebe und der Sorge lenken. Die globale Corona-Krise lenkt ja unseren Blick wie von selbst auf die Schwächsten und auf diejenigen, die im Straßengraben der entwickelten Menschheit ihr Leben notdürftig fristen müssen: auf die unterentwickelten Länder und auf eine gerechte globale Handelspolitik, auf die Flüchtlinge und Asylanten, auch auf die Menschen am Rande unserer Gesellschaft und in Ihrem Bistum. Immer hören wir die drängende Frage Gottes an uns: „Wo ist dein Bruder, wo ist deine Schwester?“

Nichts wird nach der Corona-Pandemie mehr so sein wie vorher. Die Covid-19-Krise schickt uns nicht nur auf die Suche nach dem Ausgleich konkurrierender Freiheitsrechte zur Förderung der Würde aller Menschen im Rahmen eines auf Inklusion ausgerichteten Gemeinwohles, sondern lässt uns auch die moralische Aufgabe des Staates in den Blick nehmen, das umfassende Gemeinwohl in einer Krisensituation wie der gegenwärtigen Pandemie zu gewährleisten und zu fördern. Und das gilt auch und gerade in globaler Perspektive für das Weltgemeinwohl und für die Menschen in den Straßengräben unserer Welt.

Der deutsche Soziologe Heinz Bude hat vor einiger Zeit in seinem Buch „Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee“ (München 2019) die alte Idee der Solidarität mit der ebenso alten Idee der Nächstenliebe verbunden und sieht den Staat in und nach der globalen Pandemie aufgefordert, Solidarität zum Wohle aller Schutzbedürftigen in der Gesellschaft zu organisieren und zukünftig deutlich mehr Freiheit und Schutz füreinander zu bieten. Der Staat wird neue Kraft gewinnen müssen, um individuelle Freiheiten zu ordnen
und Gewinne wie Vermögen für das Gemeinwohl einzusetzen, für eine umfassende Kultur der Solidarität und der Caritas. Dies geschieht nicht zuletzt zugunsten eines effizienten Klimaschutzes, aber auch zum Schutz besonders gefährdeter Risikogruppen in einer solidarischen Gesellschaft, in der jeder sich dem anderen gegenüber als Mensch moralisch verpflichtet fühlt.

Diese moralische Pflicht gilt im Gesundheits- und Pflegebereich, insbesondere im Blick auf eine angemessene Entlohnung der in der Pflege tätigen Menschen und ihren Schutz angesichts erhöhter Gesundheitsrisiken, aber auch in globaler Hinsicht im Bereich ethisch nachhaltiger Investitionen, der Beschäftigung, der Bildung und der Absicherung finanzieller Risiken, die in Zeiten einer Pandemie ohne staatlichen Schutz gar nicht möglich wären. All diese Aspekte ergänzen die gewohnte soziale Marktwirtschaft und das Konzept eines starken Sozialstaates um eine neue globale Facette, nämlich die der vorausschauenden und präventiven Solidarität sozialer und politischer Akteure, auch und gerade im Feld der Caritas, die sich ihrer eigenen
Verwundbarkeit und damit der notwendigen Solidarität aller Menschen klar bewusst sind. Diese erneuerte und vertiefte Solidarität nennen wir solidarische Nächstenliebe, oder, mit der neuen Enzyklika „Fratelli tutti“, geschwisterliche Liebe.

Peter K. Kardinal Turkson

Neujahrsgruß von Kardinal Turkson: