„Unter Palmen aus Stahl“

Dominik Bloh liest aus seinem Buch

Sonntag, 7. Februar 2021, 15 – 17 Uhr

Dominik Bloh Buchvorlesung

Dominik Bloh lebte über 10 Jahre auf der Straße. Schon als Teenager geriet er dahin, wo man Deutschland von "ganz unten" betrachtet. Nun mit Anfang 30 hat er seine Geschichte aufgeschrieben, auf kleinen Zetteln, noch als Obdachloser lebend.

Ein Buch, das auch vom Mut handelt und von der Courage, sich und sein Leben zu ändern. In Zeiten von großer Wohnungsnot nehmen die Menschen zu, die aus unterschiedlichsten Gründen auf der Straße leben. Die Caritas mit ihren Angeboten und Diensten ist seit vielen Jahren auch für diese Menschen da.

Die Autorenlesung fand online statt.

Informationen über den Autor finden Sie hier:

https://amadis.net/portfolio-item/dominik-bloh/#

Beschreibung:

„Obdachlose Menschen verlieren ihr Selbstwertgefühl“

Autorenlesung eröffnete am Gründungstag das 100jährige Jubiläum des Diözesan-Caritasverbandes
Die mangelnde Körperhygiene: Für Dominik Bloh war dies das größte Problem während seiner Zeit als Obdachloser. „Wer sich immer dreckig fühlt, fühlt sich wie Dreck.“ Wer auf der Straße lebt, wird notwendiger Weise schmutzig. Die Kleidung bekommt Flecken, kann nicht regelmäßig gewechselt werden. Man schläft in ihr. Schweiß staut sich. Man entwickelt unangenehme Gerüche. „Man empfindet Scham. Das Selbstwertgefühl geht verloren“, berichtet Bloh. „Die Menschen gehen auf Distanz und die Obdachlosen isolieren sich. So driften die Welten auseinander.“

Dominik Bloh wurde mit 16 Jahren von seiner psychisch kranken Mutter vor die Tür gesetzt. Von da an lebte er in Hamburg auf der Straße. Er ging zwar weiter zur Schule, hatte aber keine Unterkunft. Die Nächte verbrachte er, indem er in Bussen und Bahnen quer durch die Stadt fuhr. Über die Zeit der Obdachlosigkeit hat Dominik Bloh ein Buch geschrieben. Aus ihm las er am gestrigen Sonntag – als Beitrag zum 100jährigen
Gründungstag des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg.

Dominik Bloh berichtete auch von dem Projekt Go Banyo, das er gegründet hat. In Hamburg gibt für rund 2.000 Obdachlose nur 20 Duschplätze – mit beschränkter Öffnungszeit, Warteliste, Eintritt, oft nur kaltem Wasser. Daher ließ „Go Banyo“ einen Bus so umbauen, dass er nun aus drei Badezimmern besteht. Der Bus fährt wechselnde Standorte an; dort können die Gäste kostenlos duschen und erhalten frische Wäsche.

Bloh tritt auch für das Konzept „Housing First“ ein. Es geht davon aus, dass ein obdachloser als erstes wieder eine eigene Wohnung benötigt. Im Gegensatz zu Programmen, die über eine Abfolge verschiedener Wohnformen die „Wohnfähigkeit“ von Obdachlosen wiederherstellen wollen, sieht „Housing First“ eine stabile Unterkunft als Voraussetzung für die Bearbeitung aller anderen Probleme. Darauf basierende Angebote gibt es bereits z.B. in Finnland oder Österreich.

Peter Klein, Leiter des Bamberger Treffpunkts „Menschen in Not“, berichtete von einem neuen Projekt „Übergangswohnen plus“: Klienten der Beratungsstelle erhalten eine Wohnung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft zunächst für ein Jahr. In ihr leben sie als Mieter in einem ganz normalen Umfeld. Zugleich werden sie von Sozialpädagogen begleitet. Nach einem Jahr wird der Mietvertrag entfristet.

Wegen der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie fand die Autorenlesung als Videokonferenz statt.

Veranstaltungsbericht:

Dominik Bloh liest aus seinem Buch

Dominik Bloh liest aus seinem Buch

Die Aufzeichnung: